Seltene Früchte

Wie kleine Fruchtgummi-Herzen sehen sie aus, die Beeren des Strauch-Geißblatts. Entdeckt hat sie Susanne, als sie mit ihren Kolleginnen aus der Saatgut-Abteilung just neben der Pflanze Pause machte.

„Es ist gar nicht so einfach, die Beeren zu entdecken. Und das liegt hauptsächlich daran, dass die Vögel ganz versessen auf sie sind und sie wegfuttern sobald sie reif sind.“


Zu unserem Glück haben die Piepmätze ein paar der Leckereien übersehen und so konnten wir doch noch einige ablichten. Susanne freut es besonders, ist doch das Strauch-Geißblatt ihre absolute Lieblingspflanze.

„Die Blüten erscheinen sehr früh im Jahr – oft werden sie vom Frost in kleine optische Kunstwerke verwandelt. Und der Duft ist einfach betörend. Ich liebe ihn wirklich!“

Als Gärtnerin auf Wanderschaft

„Sie waren Schreiner, Maurer, Steinmetz, Schmied und ein Zimmermann, fast 1000 Jahre her, dass ihre Wanderschaft begann…“ Kennt jemand von euch vielleicht diese Zeile?
Das Lied „3 Jahre und ein Tag“ von dem Liedermacher Reinhard Mey, wo er über die Handwerker singt, die nach ihrer Ausbildung auf traditionelle Wanderschaft gehen, auch Tippelei oder Walz genannt? Aber was hat diese Info an euch in einem Kräutergärtnerei-Blog zu suchen?

Naja, liegt daran, dass ich, Anna, fremde und freie Gärtnerin, mich selbst gerade auf zünftiger Wanderschaft befinde und den April über hier in der Gärtnerei mitarbeite um selbst dazuzulernen. Jetzt wird sich bestimmt so mancher fragen: „Echt? Als Gärtnerin? Ich dachte, das machen nur Zimmerer, Maurer und Dachdecker?“

Tja, das ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Jedes Handwerk, das es auch schon vor der Industrialisierung gab, kann (wenn gewollt) auf traditionelle Wanderschaft gehen.
Natürlich sind es viele Baugewerke, aber auch Buchbinder, Hutmacher, Schneider, Landwirte, Seiler, Köche, Brauer, Bäcker, Kunstgießer, Holzbildhauer und viele andere Gewerke mehr sind seit Jahr und Tag unterwegs.

Für jeden gelten die gleichen Grundregeln:
Sich ungebunden und frei (d.h. schuldenfrei, kinderlos, nicht verheiratet oder vorbestraft, ohne Handy (!) und unter 30 Jahren alt zu sein und seinen Gesellenbrief in der Tasche haben) für mindestens 3 Jahre und einen liebelangen Tag die Heimat zu verlassen und fort in die Fremde zu gehen um Länder, Leute und natürlich in dieser Zeit sein eigenes Handwerk tiefer kennenzulernen und auszubauen.

Jeder Geselle und Gesellin packt sein Bündel mit den nötigsten Habseligkeiten (man lernt seeehr schnell mit dem Allernötigsten auszukommen) was er oder sie zum Leben braucht und reist durch die Welt um Arbeit zu finden, sich dabei das nötige Kleingeld zu verdienen um wieder weiter reisen zu können.

Ein weiterer Irrglaube, der sich fest in den Köpfen vieler Menschen hält, ist, dass wir ausschließlich für Kost und Logis arbeiten würden. Trifft jedoch nicht ausschließlich zu. Die Zeiten mag es gegeben haben. Nach und während Kriegen, wo in keinem Haushalt das Geld gereicht hat. Aber erstens sind wir ausgebildete Fachleute und wollen gleichsam, wie jeder andere Mensch, angemessen für unsere geleistete Arbeit entlohnt werden. Zusätzlich könnte man sonst den fahrenden Gesellen gleichsam Lohndumping unterstellen und dafür ist zu viel Arbeitskampf durch frühere Wandergesellen angezettelt und gemacht worden. Also wäre es ein schlechtes Erbe, wenn wir unseren Ahnen auf diese Weise in den Rücken fallen würden.

Und zweitens, ohne ein paar Groschen geht es nicht auf der Straße. Auch wenn es uns nach unserem Regelwerk untersagt ist, Geld für das Reisen (deswegen wird entweder gewandert, oder wir halten den Daumen in die Luft und hoffen, dass ihr anhaltet und uns ein Stück mitnehmt) sowie Übernachtungen auszugeben, so müssen wir ja doch schließlich was essen. Wir leben nicht im Luxus und kommen mit wenig aus, aber irgendwann braucht man doch mal wieder eine neue Buchse, Schuhe oder Briefmarken für Postkarten an die Daheimgebliebenen. Woher nehmen, wenn man nicht stehlen will?

Wir verhalten uns ehrbar und löblich, sodass jeder andere Geselle, der uns irgendwann mal nachfolgt, wieder mit offenen Armen aufgenommen wird. Hütet euch nur ja vor Tunichtguten mit einem gespaltenem Ohrläppchen. Denn die haben es anscheinend einmal nicht sehr ernst mit dem guten Betragen genommen und ihnen wurde der dazugehörige Ohrring herausgerissen und damit auf ewig als Schlitzohren gebrandmarkt.

Ich selber bin jetzt fast 17 Monate unterwegs und habe die Zeit über in Deutschland das Land erkundet. Mal hier bei Privatleuten im Garten, bei Erntearbeiten im Herbst geholfen oder in einem anderen Kräuterschaugarten die Beete schön gemacht. Überall ist der Boden anders, mit welchen Pflanzen habe ich es zu tun, worauf kommt es bei der Arbeit an? Und zusätzlich so viele unglaublich nette Menschen kennengelernt und tolle Plätze und Orte gesehen, dass ich mich dadurch alleine schon so unglaublich bereichert fühle.
So auch jetzt schon durch meinen Aufenthalt hier über so manchen Weg in Horstedt bei Rühlemann‘s.

Meine Ausbildung mit der Fachrichtung Staudenbau habe ich im Botanischen Garten in Bonn gemacht. Vielleicht könnt ihr euch vorstellen, dass wir da nicht viel von der Vermarktung von Jungpflanzen direkt mitbekommen haben, da es eher um Park- und Beetpflege ging. Deswegen ist es für mich total spannend hier mit dabei zu sein. Wie läuft so eine Verkaufs- und Versandsaison in einem Produktionsbetrieb ab? Was für Arbeits-schritte sind da alles nötig, damit der Kunde am Ende ein tolles Produkt in Händen hält? Hochspannend!

Und natürlich, aber das muss ich euch ja überhaupt nicht nochmal sagen, dieses abgefahrene Sortiment. In Auszügen kenne ich doch schon so manches Pflänzchen, was ich hier als Vorkommissioniererin in die Hand nehme, auf die eine oder andere Art.
So wundervoll sind jedoch dann immer wieder für mich die tollen Überraschungen, die spontan um die Ecke kommen. Am meisten freue ich mich im Moment, wenn ich Javanisches Patchouli, Kardamom oder den Minzstrauch abpacken darf, so tolle Gerüche und ich brauche ab und an einen Moment länger um die perfekte Pflanze auszusuchen, nur um mich selber an ihnen erfreuen zu können.

Ich habe sehr viel Spaß hier. Leider bin ich nur den April in der Gärtnerei, denn im Mai wird es für mich mit einer befreundeten Gesellin auf in Richtung Frankreich gehen. Da wollen wir uns dann den Frühling und den Frühsommer mal umschauen. Ich möchte gerne an den Atlantik zu einem Salzbauern und mal mitbekommen, wie eigentlich unser allseits bekanntes Meersalz gewonnen wird. Und vielleicht schaffen wir es ja nach Grasse um uns von den Parfümölherstellern zur Lavendelernte anheuern zu lassen. Wir werden uns treiben lassen und schauen, wo uns der Wind hinweht.

Ich wünsche euch allen einen wunderbaren Gartensaisonstart mit tollen großen und kleinen Glücksmomenten und grüße euch mit einem Zitat von Wilhelm Busch, das uns Gesellen über die Zeit ein liebgewordener Sinnspruch geworden ist:

„Drum, Mensch, sei zeitig weise! Höchste Zeit ist’s! Reise, reise!“

Gleich zwei neue Azubis

… begannen am 1. August ihre Ausbildung zur GärtnerIn in unserer Gärtnerei. Damit hatten wir zum ersten Mal vier Auszubildende in einem Jahr!


Frederike, Jannik, Cynthia und Jenny

Jenny, die ihre Ausbildung im Mai erfolgreich abgeschlossen hat, Frederike, die im zweiten Jahr ihrer Ausbildung steht und inzwischen einen Teil ihrer Zwischenprüfung abgelegt hat, und ganz aktuell Cynthia und Jannik, die nun seit drei Wochen dabei sind.


Die obligatorische Schultüte der KollegInnen gab’s gleich morgens um sieben

Eine der ersten innerbetrieblichen ‚Lehreinheiten‘ bekamen sie gleich zu Beginn:
Tobias erklärte den beiden spontan die Funktionsweise der Gewächshausthermometer.


Der Lavendel blüht

Wenn ich andere Menschen frage, was sie mit dem Duft von Lavendel verbinden, kommt oft die Antwort „Oma!“. Das kommt meist so schnell und von Herzen, dass ich lächeln muss.
Auch bei mir weckt der Duft von Lavendel diffuse Kindheitserinnerungen an das Haus und das Schlafzimmer meiner Großeltern. Denn wie es früher üblich war, hingen in den Schränken überall kleine Büschel oder Duftsäckchen mit Lavendel, die die Motten von der Kleidung fernhalten sollten.
Ich glaube nicht, dass meiner Großmutter bewusst war, dass ihre Kittelschürzen, Kleider und Blusen immer einen leichten Hauch von Lavendel verströmten. Oder, dass sie wusste, dass der Duft des Lavendels im Schlafzimmer sehr beruhigend wirkte.

In mir weckt dieser Duft immer die Assoziation von Wärme und Geborgenheit und deswegen liebe ich den Lavendel auch in all seinen Formen, Farben und Duftnuancen.

Dieser frische, klare Duft hilft mir, mich zu zentrieren, wieder Kraft zu schöpfen und meine Gedanken zu ordnen – er hilft mir mehr als so manches Mittelchen, das ich in der Apotheke dafür finden könnte.

Mit meiner Vorliebe für diesen Duft stehe ich zum Glück nicht alleine da, auch wenn ich manchmal verwundert angeschaut werde, wenn ich mal wieder ins Schwärmen gerate.

Es scheiden sich beim Lavendel aber auch die Geister. Entweder man mag ihn, oder man mag ihn gar nicht. Persönlich kenne ich niemanden, der sagt, er mag ihn „ein bisschen“. Vielleicht passt das aber auch gut zu seiner Ausstrahlung. Er ist keine Pflanze, die sich verbiegt und auch das Verholzen der Triebe zeugt von einer Erdverbundenheit und einem Streben der Sonne entgegen.

Doch nicht nur durch seinen Duft weiß der Lavendel zu überzeugen – auch seine eigenwillige Wuchsform, seine wunderbar klaren Farben und auch seinen Geschmack habe ich schätzen gelernt. Längst sind die Zeiten vorbei, wo er lediglich als Duftsäckchen die Schränke der Menschen von innen kennengelernt hat, nein, sein Eroberungsfeldzug in die Küchen und Hausapotheken der Menschen ist kaum aufzuhalten. Gut so!

Am nächsten Schnupper-Samstag, den 1.7. werden wir uns mit der kulinarischen Seite des Lavendels intensiv beschäftigen. Vielleicht sind Sie dabei?

Es geht wieder los!

Pünktlich zum Frühlingsbeginn startet am Montag, 20. März 2017 unser Pflanzenversand. Alle Bestellungen, die seit Erscheinen des neuen Katalogs eingetroffen sind werden nun der Reihe nach – natürlich immer unter Berücksichtigung der Lieferfähigkeit – bearbeitet. Dann heißt es hier wieder: suchen, finden, pflegen, gießen, bereitstellen, einpacken und dann ab die Post!

Nachdem sich Klaus, unser langjähriger Abteilungsleiter im Versand noch mit einem fulminanten Frühstück von uns verabschiedet hat, übernimmt ab Montag Matthias ‚Matze‘ Intemann, bisher Leiter der Vorkommissionierung, diesen Posten.

Und damit nicht genug – auch die Pflanzenkommissionierung bleibt unter seiner Leitung, so dass mögliche Engpässe in den einzelnen Abläufen schneller ausgeglichen werden können.

Wochenlang steckten die beiden im Winter die Köpfe zusammen, damit die Übergabe reibungslos funktioniert.

Matthias muss das aber nicht alleine wuppen, denn geballte Frauenpower steht ihm zur Seite“ meint Birgit, die jedes Jahr wiederkommt um von Ende März bis Ende Oktober pro Woche Hunderte von Päckchen zu packen.


Die Packtische und Pflanzentische sind dank unserer ‚alten Hasen‘ schon gut gefüllt und vorbereitet – jetzt freuen wir uns auf viele neue und bekannte Kolleginnen und Kollegen, die uns in dieser Saison unterstützen werden, damit es nun endlich wieder heißen kann:

Auf die Pflanzen, fertig, los!