Kräuter für Kinder 3.Teil: Hauswurz – Sempervivum tectorum

Hauswurz ist eine sehr schöne Kinderpflanze, denn sie ist kinderleicht anzupflanzen und zu pflegen. Eine Dachpfanne und ein paar Steine z.B. und schon kann es losgehen. Da sie zu den Sukkulenten zählt, genügt ihr auch ein steiniger Untergrund mit wenig Sand und Wasser. Hauswurz lässt sich deshalb auch gut in Steingärten pflanzen, z.B. gemeinsam mit Tripmadam. Sie verkraftet Trockenheit und auch Frost.

Ihre Genügsamkeit und das Durchhaltevermögen haben ihr wohl auch ihren lateinischen Namen beschert, der sich aus semper = immer , vivus = lebend und tectus = Dach zusammensetzt. Früher glaubten die Menschen, dass Hauswurz vor Blitzeinschlägen schützt, weshalb schon Karl der Große verordnete, dass es auf die Häuserdächer gepflanzt wird. Im Internet habe ich auf verschiedenen Seiten gefunden, dass am Schutz vor Blitzen wohl tatsächlich etwas dran sein soll. Untersuchungen haben demnach ergeben, dass die Spitzen der Blätter der Hauswurz den heutigen Blitzableitern ähnlich sind. Häuser mit Hauswurzbewuchs werden also durchaus von gewittrigen, elektrischen Entladungen heimgesucht, aber es baut sich kein extremes Spannungsgefälle auf, das zum Blitzschlag führt. Man benötigt für diesen natürlichen Blitzableiter aber  ziemlich viele dieser Pflanzen. Als Orakel diente die Hauswurz früher ebenfalls. Hatte man Hauswurz mit rötlich gefärbten Blüten, deutete sich ein freudiges Ereignis an, während schneeweiße Blüten den baldigen Tod eines Angehörigen verkündeten. Seit Alters her wird Hauswurz zudem äußerlich bei Verletzungen, Verbrennungen, Hämorrohiden und Hautausschlägen verwendet. Hierfür nimmt man entweder frische Blätter, die man zerkleinert und dann als Umschlag auf die Wunde packt oder den ausgedrückten Pflanzensaft mit etwas Wasser verdünnen und dann als Kompresse auflegen. Sempervivum tectorum steht unter Naturschutz. Wildpflanzen daher bitte am Fundort belassen.

Ihre Patricia Rühlemann

Japanische Blütenkresse

Die Blütenkresse (Orychophragmus violaceus) erinnert mich immer ein wenig an die Nachtviole, doch das Überraschende in diesem Winter war, dass sie unglaublich früh anfing zu blühen, schon Anfang Februar hat sie hier in einem kalten Gewächshaus die Blütenstängel „geschoben“. Daher wohl auch der Name „February-Orchid“. Wir haben sie dann kurzerhand Ende Februar in ein wärmeres Haus versetzt, und sie blüht jetzt, im April immer noch.

Da die Winterhärte in Deutschland noch nicht getestet ist, habe ich eine Kiste Pflanzen im Freiland über den Winter stehen gelassen. Einige Pflanzen haben tatsächlich trotz des ziemlich strengen Winters überlebt, wie dieses Foto Mitte März zeigt:

Diese werden wir weiter vermehren, und auf Winterhärte auslesen.

Ich denke aber, das waren noch ganz kleine, junge Pflanzen, und ausgewachsene Pflanzen an einem geschützten Platz im Garten kommen dann bestimmt auch gut über den Winter.

Mehr über diese kulinarische Entdeckung aus Japan lesen Sie in unserm Shop.

Ein Blick hinter die Kulissen

Am letzten Samstag war ich mit meiner Kamera mal wieder unterwegs. 
Beim Rundgang traf ich auf unsere „beiden Mädels von der Topfmaschine“: Gudrun und Elvira, die zusammen mit unserem Versandleiter Klaus gerade ihre Frühstückspause genossen. Meine Neugier siegte und so fragte ich sie: „Was gefällt dir an Rühlemann´s?“

Heilkräuter – eine kurze Reise in ihre Geschichte

Der Einsatz von Heilkräutern wird in der heutigen Zeit immer beliebter.  Der nachgewiesene Beginn der Verwendung von Kräutern zum Heilen reicht weit zurück.  4000 v. Chr belegen Aufzeichnungen verwendeten die Ägypter Kräuter bereits um u.a. Wunden und Abzesse zu heilen.

Die TCM, die traditionelle chinesische Medizin findet ihre nachweisbaren Anfänge 3000 v. Chr. Die Chinesen hatten beim Erforschen verschiedener Kräuter, Pflanzen und Wurzeln entdeckt, dass diese als Tee aufgebrüht, belebende Eigenschaften hatten.  Im  Jahr 3000 v. Chr. entstand dann das wohl älteste Kräuterbuch der Welt. Verfasst wurde es vom chinesischen Kaiser und Arzt Shen Nung.  365 pflanzliche Präparate hat er untersucht. Darunter auch die Süßholzwurzel. Von dieser schrieb er:  Sie glättet die Haut, stärkt die Muskulatur und die Knochen und ist zudem ein wirksames Gegengift bei Vergiftungen.  Aus China stammt auch die Massage. Bereits im Jahr 2600 v. Chr. wurden heilende Massagen in China verbreitet.  Verwendet wurden u.a. Kräuteröle.

Über den griechischen Arzt Hippokrates gelangte die Massage in die westliche Welt, u.a. wurden die Gladiatoren mit Hilfe der Massage „fit gehalten“ für Kämpfe und Spiele.  Hippokrates (460-370 v . Chr.)  gilt als der Begründer der medizinischen Wissenschaft. Er war wohl der berühmteste Arzt des Altertums, obwohl nicht nachgewiesen werden konnte, dass alle  Bücher von ihm verfasst wurden.

1483 wurde das erste Kräuterbuch der Welt gedruckt. In Rom erschien „Herbarium“ von Apulejus Barbarus . Viele weitere Kräuterbücher sind seitdem gedruckt wurden und immer wieder haben sich in der Vergangenheit berühmte Leute mit der Heilwirkung von Pflanzen beschäftigt, darunter Paracelsus  (1493 – 1541).  Er setzte zur Behandlung nicht nur Auszüge aus Kräutern ein, sonder auch chemische Mittel, wie Blei, Schwefel, Quecksilber, Kupfer und Eisen.  Er war Philosoph, Alchemist, Pflanzenforscher und Astronom.  Unter Astronomie verstand er die Erkenntnis der kosmischen Gesetze, der Urprinzipien des Alls und der dahinter wirkenden Kräfte.  Auch war er u.a. der Ansicht, dass die Pflanzen am besten wirken, die in der Farbe dem menschlichen Organ ähneln, welches kränkelt. Bei Augenentzündungen empfahl er daher z.B. Augentrost, weil die Blüte an das menschliche Auge erinnert oder Schöllkraut bei Gelbsucht, wegen dem gelblichen Saft der Pflanze.  Sein Leitspruch war: „Allein die Dosis macht, ob ein Ding Gift ist.  Alle Dinge sind Gift und nicht ohne Gift.“  Er war unter den Medizinern seiner damaligen Zeit ein krasser Außenseiter. Wegen seiner außergewöhnlichen Heilerfolge erwarb er sich im Lauf der Jahre jedoch den Ruf eines Wunderdoktors.

Neben Hippokrates – dessen Eidformel heute noch als Grundlage der ethischen ärztlichen Richtlinien gilt – und Paracelsus finde ich Hildegard v. Bingen (1098 – 1177 n. Chr.) sehr erwähnenswert. Hildegard v. Bingen war Heilige, Äbtissin (ab 1136n Chr.), Mystikerin, Prophetin und Heilkundige. Sie gilt als erste deutsche Naturforscherin und Heilerin: Sie schrieb Bücher über Pflanzen, über Krankheiten und wie sie entstehen.  Ein Mensch war für sie nicht einfach krank. Für sie stand jede Krankheit im Zusammenhang mit dem Geist (der Hinwendung zur Gott und zur Natur) und dem Körper.  Leider ist von ihren Originalwerken nicht eines erhalten.  Ihre Bücher, wie „Causae et Curae“ existieren nur als Abschriften aus dem 13. und 15. Jh!

Hildegard von Bingen, Paracelsus und Hippokrates Sie alle waren und sind eng verbunden mit der Geschichte der Pflanzenheilkunde

Einen gesunden Jahresanfang wünscht

Patricia Rühlemann